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Klassische westliche Musik ist in der Türkei nicht gerade in. Doch dasIstanbul Music Festival will zeigen, dass es dafür sehr wohl ein Publikumgibt. Die Veranstalter lassen auch Musik des Komponisten KomitasVardapet erklingen, der den Völkermord an den Armeniern überlebte –ein klares Statement.

Von Julia Kaiser

 

Seit 2010 haben wir je ein Werk bei einem internationalen und einemtürkischen Komponisten in Auftrag gegeben. Wir haben mit Arvo Pärtangefangen, in dem Jahr, als Istanbul Kulturhauptstadt war. Das sindalso 16 Werke in neun Jahren. In diesem Jahr kommt ein Werk desrussischen Komponisten Alexandr Tschaikowski hinzu, eine Co-Kommission mit Sotchi. Und ein Werk der türkischen KomponistinZeynep Gedizlioglu, die in Berlin lebt.

“Die beiden Schwestern Ufuk und Bahar Dördüncü spielen ZeynepGedizlioglus Stück, das den Titel „Simdi“ trägt, übersetzt „Jetzt“.„Das ist ein fantastisches Stück, etwas so Neues und Frisches, und socharakteristisch! Kraftvoll! Für mich und Bahar ist es wundervoll.“ – „Ja,wir sind gerührt, dass das Istanbul Festival uns ausgewählt hat für dieUraufführung von Zeyneps Stück. In der Türkei sind wir sehr bekannt alsKlavierduo für neue Musik – aber mit diesem Repertoire lädt man unskaum ein. Denn leider sind unsere Landsleute vielleicht noch nicht bereitdafür, das anzunehmen, was wir ihnen gerne anbieten möchten.“Im mit Putten bemalten, ausverkauften Süreyya Opernhaus kommt dasWerk jedenfalls sehr gut an. Es gibt laute Bravo-Rufe – mehr sogar alsfür den RIAS Kammerchor, der mit den Dördüncü-Schwestern Brahms‘Liebesliederwalzer vorträgt. Zeynep Gedizlioglus Werk hat siemitgerissen, sagt die 20jährige Deniz:„Vorher habe ich sonst nicht viel klassische Musik gehört, denn in derTürkei ist es nicht so populär, Klassik zu hören. Aber jetzt war ich beiden Dördüncü-Schwestern und bin total begeistert. So etwas habe ichmir unter klassischer Musik überhaupt nicht vorgestellt. Sie warenwirklich ganz im Moment, als sie gespielt haben, es hat mich vollhineingezogen in das Stück. Und jetzt, wo ich weiß, dass der Titel „Jetzt“ist, finde ich, dass das eine total coole Art ist, klassische Musik vonheute neu zu denken. Solche Kunst und Kulturerlebnisse brauchen wirin unserem täglichen Leben!“

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